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3.1.1 Militainment in der Spielfilmindustrie

„Kino hat den Ruf Seismograph, Mediator und Verstärker zu sein. Es nimmt allgemeine Befindlichkeiten auf, setzt sie in Szene und ermöglicht eine Auseinandersetzung damit.“ (Schmidt 2003: 25) Es ist somit nicht verwunderlich, dass oftmals Militär und kriegerische Auseinandersetzungen als Inhalte für Spielfilme gewählt werden, die für das Kino bestimmt sind. Krieg und Militär sind stets interessante Thematiken, da sie einerseits die Menschen faszinieren, andererseits jedoch auch für das Leben jedes Einzelnen, aufgrund der Weltlage, von großer Bedeutung sind.

In der US-amerikanischen Spielfilmindustrie hat die Kooperation mit US-militärischen Institutionen Tradition. Bereits Filme wie „Top Gun“ (1986) oder „Air Force One“ (1997) wurden in Zusammenarbeit produziert. Beide Filme beschäftigen sich thematisch hauptsächlich mit einem Teil des US-Militärs. Für die Unterstützung bei der Produktion der Filme erhielten die US-Navy bzw. US-Air Force Nachbearbeitungsrechte an den Filmen und konnten somit nach ihren eigenen Maßstäben Einfluss auf beide Filme nehmen. Weiterhin betrieb die US-Navy beim Kinostart von „Top Gun“ in mehreren großen Kinos Informationsstände, an denen sich die Zuschauer direkt nach dem Film für das Militär einschreiben konnten. (vgl. Virchow; Thomas 2004: 300) Auf diese Weise entstanden zwei Militainmentangebote in Form von Spielfilmen, die den Menschen zur Unterhaltung dienen, diese jedoch im gleichen Zuge mit Krieg und Militär konfrontieren und somit einen Beitrag zu deren Meinungsbildung leisten.

Weiterhin hatte der 11. September 2001 einen großen Einfluss auf die Militainmentangebote der US-amerikanischen Spielfilmindustrie. Durch den Anschlag auf das World Trade Center wurde die Produktion von Militainment in Form von Spielfilmen gesteigert, denn „auf der neuen und großen Gefühlswelle verkaufen sich Krieg und Kriegsfilme besser als jemals zuvor“ (Maresch 2002: 353). Zwei Monate nach dem tragischen Ereignis fand ein Treffen von Vertretern der Film- und Fernsehindustrie mit Angehörigen des Pentagon statt. Grund des Treffens waren „denkbare Beiträge der Medien zu ‚Kriegsführung und Terrorismusbekämpfung“ (Schmidt 2003: 25). Aufbauend auf diesem Treffen und dem daraus hervorgegangenen Komitee „Hollywood 9/11“ wurde das Erscheinen bestimmter Filme mit Militainmentinhalten für die Folgezeit des 11. September koordiniert, denn „Hollywood und Washington sind eine Symbiose eingegangen – so eng wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr“ (Maresch 2002: 353).

Es existieren stark ausgeprägte Kooperationen zwischen Spielfilmindustrie und Militär, die in den USA durch den 11. September 2001 noch forciert wurden. Dies lässt sich besonders an einigen Filmen aufzeigen, die nach dem 11. September erschienen sind. Hierbei ist speziell die Rede von dem Vietnam-Epos „Wir waren Helden“, dem Kriegsgefangenendrama „Das Tribunal“, dem Nuklearbombendrama „Der Anschlag“ und der Somalia-Tragödie „Black Hawk Down“. Einige dieser Filme waren bereits vor dem 11. September fertig produziert, „ihr Erscheinen allerdings wurde nach diesem Datum auf Drängen der US Regierung forciert und die Gestaltwerdung der Filme zum Teil noch erheblich beeinflusst“ (Virchow; Thomas 2004: 300). Das US-Militär wurde somit nicht nur zum thematischen Hauptaugenmerk dieser Filme, sondern ebenfalls zu einer gestalterischen Kraft bei ihrer Vollendung. An diesen Beispielen ist die starke Ausprägung der Kooperationen besonders gut erkennbar. Vor allem, wenn nicht nur die Mitbestimmung sondern auch der Einsatz von Material und Personal des Militärs betrachtet werden.

So wurden beispielsweise für den Film „Black Hawk Down“ 8 Hubschrauber und 100 Elitesoldaten vom Militär zur Verfügung gestellt. Als Gegenleistung erhielt dieses 3 Millionen Dollar und Einblick ins Drehbuch mit Mitspracherechten bei dessen Umsetzung.
Für den Film „Der Anschlag“ stellte das Pentagon mehrere F16 Bomber, einen Flugzeugträger mit 80 Flugzeugen und 5000 Mann Besatzung, eine fliegende Kommandozentrale in einer umgebauten Boeing 747 und eine Vielzahl an militärischen Beratern. (vgl. Virchow; Thomas 2004: 300)

Es ist zu erkennen, dass in der Spielfilmindustrie große Kooperationen mit dem Militär eingegangen werden und Militainment zu den Hauptprodukten zählt. Der Umfang solcher Kooperationen wird anhand des ICT, des Institute for Creative Technologies deutlich, welches vom US-Militär unterstützt wird, um unter anderem die Zusammenarbeit mit Hollywood zu fördern. (vgl. USC Institute for Creative Technologies 2008)

Weiterhin haben Spielfilme, die in Zusammenarbeit von US-Militär und US-Spielfilmindustrie entstehen, ebenfalls einen großen internationalen Einfluss, da sie weite Verbreitung finden. So sind alle erwähnten Filmbeispiele auch in Deutschland bekannt, wodurch die Militainmentangebote der Spielfilmindustrie der USA nicht nur Einfluss auf ihr eigenes Land ausüben.

Inhaltsverzeichnis Hausarbeit Militär und Entertainment = Militainment?

1. Einleitung Militär und Entertainment

2. Der Begriff Militainment

3. Verhältnis von Militär und Unterhaltungsindustrie

3.1 Formen von Kooperationen zwischen Militär und Unterhaltungsindustrie

3.1.1 Militainment in der Spielfilmindustrie

3.1.2 Militainment in der Softwareindustrie

3.1.3 Weitere Militainmentangebote

3.2 Gründe für die Kooperationen zwischen Militär und Unterhaltungsindustrie

4. Erste wissenschaftliche Ansätze zum Militainment

5. Fazit Militainment

6. Quellenverzeichnis Militainment